Unser Einsatzgebiet

Begonnen hat der TAMAT e.V. im Jahr 2004 mit der Hilfe für die im Siedlungsgebiet der Tuareg lebenden Menschen.

Viele hundert Jahre zogen die Kamelkarawanen dieser legendären Wüstennomaden über die endlosen Handelswege quer durch die Sahara und die angrenzenden Savannen der Sahelzone. Das heutige Siedlungsgebiet der Tuareg erstreckt sich im Nordwesten Afrikas über fünf Staaten, auf einer Fläche so groß wie Mitteleuropa.

Das Siedlungsgebiet der Tuareg in dem TAMAT bislang in Mali arbeitete, liegt etwa zwischen dem Fluss Niger sowie Malis Ostgrenze zum Nachbarstaat Niger und grenzt im Norden an Algerien, im schwer zugänglichen Hochland Adrar des Iforas. Das Einsatzgebiet von TAMAT umfasst knapp die Fläche von Deutschland. Ein Blick auf die rechte Karte verdeutlicht, wie groß das Siedlungsgebiet der Tuareg auch in Niger ist (ockerfarben), obwohl die Tuareg nur 9% der Bevölkerung ausmachen.

Der neue Standort für die Aktivitäten des TAMAT e.V. in Niger liegt nördlich der Stadt Agadez im Departement Tchighozérine (ca. 65.000 Einwohner) mit dem gleichnamigen Hauptort. Das Department umfasst 58 administrative Dörfer mit elf Landschulen. Die alte römisch-katholische Mission in Tchighozérine unterhält eine Grundschule, die unter anderem von vielen Angehörigen der Volksgruppe der Tuareg besucht wurde, die heute in verantwortlichen Positionen in Niger tätig sind

Die heutige Lebenssituation der Menschen in der Sahelzone ist längst fern der Romantik legendärer Salzkarawanen. Viele dieser einst stolzen „Ritter der Wüste“ kämpfen als verarmte Nomaden schlicht um ihr Überleben. Die Gesellschaft für bedrohte Völker befürchtet gar, die Tuareg seien mit ihrer einzigartigen und Jahrhunderte alten Kultur schon in wenigen Jahren vom Aussterben bedroht.

Mali: Der jüngste kriegerische Konflikt wurde von außen nach Nord-Mali getragen, u.a. durch die rückkehrenden Tuareg-Söldner aus Libyen im Herbst 2011. Der seit Jahrzehnten wiederholte Ruf nach Unabhängigkeit, und die Ausrufung eines eigenen Staates Azawad  im Frühjahr 2012, sind auch Folge einer langjährigen Isolation des Tuareg-Siedlungsgebietes durch die Regierung in Malis Hauptstadt Bamako. Es gab und gibt keine nennenswerte Unterstützung und Ausbildung der Menschen im Siedlungsgebiet der Tuareg; sie sind auf sich allein gestellt und bedürfen der Hilfe zur Selbsthilfe, wie sie TAMAT gewährt.

Niger: Im Gegensatz zu Mali gelten im Nachbarstaat Niger die poltischen Verhältnisse als stabil. In Niger scheinen die Tuareg gut in den Staat integriert, der Präsident selbst stammt aus dem Siedlungsgebiet der Tuareg (Illela) und unterhält ausgezeichnete Beziehungen zu ihnen. Doch auch Niger zählt zu den ärmsten Nationen der Welt. Auch hier gilt es, durch forcierte berufliche Aus- und Fortbildung verstärkte Konfliktprävention zu betreiben.

Heute leben etwa drei Millionen Tuareg in der südlichen Sahara und der angrenzenden Sahelzone, die meisten von ihnen in Niger und Mali. Diese von großen Wüstengebieten geprägten Länder zählen zu den ärmsten Nationen der Welt. Auf dem jährlich erstellten „UNO-Index der menschlichen Entwicklung“ belegt Mali im Jahr 2015 Platz 179 von 188, und die Bevölkerung zählt über 80% Analphabeten. Jedes fünfte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag, die Lebenserwartung liegt bei 49 Jahren. Der Nachbarstaat Niger belegt den letzten Platz von 188 Ländern, die Bevölkerung zählt ebenfalls an die 80% Analphabeten. Jedes siebte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag, die Lebenserwartung liegt bei 52 bis 57 Jahren. Der humanitäre Aspekt für notwendige Hilfe in beiden Staaten ist offensichtlich.

Wer nun im Stillen denkt, sind die Menschen im Sahel wirklich unser Problem, der sollte ein weiteres Argument mitnehmen. Scheint der Bogen zwischen den Völkern in Mali wie in Niger und unserer persönlichen Betroffenheit zwar weit gespannt, ist er dennoch realistisch. Das dritte und nicht zu unterschätzende Argument, erklärt die Notwendigkeit der Hilfe von TAMAT: Es betrifft die Sicherheit, den Schutz vor Terroristen – bis vor unserer eigenen Haustüre hier in Europa. Seit vielen Jahren bemüht sich unser Verein, für dieses Szenario öffentlich und international Gehör zu finden. Nun haben die jüngsten Ereignisse die Befürchtungen überholt. Die Region gilt als teilweise instabil und konfliktanfällig.

Von den gegenwärtig 54 Staaten Afrikas gelten nur acht als völlig freiheitlich und demokratisch regiert. Mali galt bis zum Putsch im März 2012 als einer davon, gemäß Klassifizierung des US-Forschungsinstituts „Freedom House“. Und dennoch: Seit Jahrzehnten bedrohen einschneidende Veränderungen sowohl den Lebensraum wie die Existenz der Tuareg. Ihre traditionellen Handelsrouten sind durch staatliche Grenzen zerschnitten und die angestammten Weidegründe sind nicht mehr ausreichend ertragreich, um in Zukunft allen Tuareg die Viehhaltung zu ermöglichen. Gerade deshalb benötigen die Tuareg in Mali und auch in Niger verstärkte Unterstützung, um neue Arbeitsplätze außerhalb der Viehzucht zu erschließen, denn wachsende Armut kann zu Kriminalität führen oder Terrorismus begründen.

Die Vernachlässigung der Menschen im Sahel kann lokales, nationales und auch internationales Konfliktpotential vergrößern, wie die jüngste Geschichte beweist.

Drei wichtige Argumente für die Hilfe des TAMAT e.V. in Stichworten:

  1. Humanitär handeln
  2. Ein großes Kulturerbe bewahren
  3. Konflikte eindämmen und abbauen